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Der Himmel ist mein Thron und die Erde mein Fußschemel. Was für ein Haus wollt ihr da für mich bauen? Wo ist die Wohnung, in der ich Raum finden könnte? Die Bibel, Jesaja 66, Vers 1 (Gute Nachricht) |
Die kleinste, unscheinbarste (um nicht zu sagen: hässlichste) Kirche habe ich in Washington D.C. gesehen. Einen ehemaligen Laden in einer heruntergekommenen Gegend. Mit dem linken Augenwinkel sah ich im Vorbeifahren gerade noch eine Tafel neben der Tür mit einem Kreuz.First Peter Rock Baptist Church stand darunter. Im Geschäft nebenan hing in der Tür das Schild „Closed“, und „Jocies Market“ auf der rechten Seite lockte auch nicht zum shoppen. Ich weiß nicht, ob ich den Mut gehabt hätte, bei „First Peter Rock“ anzuklopfen.
Wenn ich überhaupt einmal in eine Kirche gehen würde (wenn!), sagte mir jemand, dann nur in eine richtige Kirche. Mit Kirchturm, Säulengängen, Kirchenbänken und so. Jedenfalls nicht in so eine Multifunktionshalle oder einen ehemaligen Waschsalon. Wo vermutlich Saxophon gespielt wird statt Orgel. Wo man eher auf Klappstühlen sitzt statt in Kirchenbänken. Wo man Gospel singt statt Choräle.
Ich vermute, viele Menschen sehen das so. Eine Kirche muss etwas ausstrahlen von der Heiligkeit Gottes, denken sie. Da muss es mir eiskalt den Rücken herunter laufen, wenn die Orgel mit Bachs Toccata einsetzt. Dieser allmächtige Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der muss doch wenigstens ansatzweise eine repräsentative Zweigstelle bei uns hier unten haben.
Zugegeben: sein Sohn kam in einem Stall zur Welt. Natürlich ist dies das andere Extrem. Auf der einen Seite Gott, der sagt, die Erde ist mein Fußbänkchen. Und auf der anderen Seite sein Sohn Jesus, den er im hintersten Winkel seines Fußbänkchens in einer Futterkrippe auf die Welt kommen lässt. Nicht leicht zu verstehen, dieser unfassbare Gott. Er passt eben so wenig in die geschätzten 30 qm der First Peter Rock Baptist Church wie hinter die rund 10.000 qm Fensterfläche des Kölner Doms. Er passt nirgendwo rein. Schon gar nicht in unsere Vorstellungen und Überzeugungen, wie er sein könnte.
Er passt überall rein. Überall dort, wo er eingeladen wird. Überall dort, wo man ihn hineinlässt. Weil er so unfassbar ist, bleibt es auch unbegreiflich, dass er bei Ihnen und mir wohnen will. Es klingt unglaublich und ist doch wahr: „Ich, der Hohe und Erhabene, der ewige und heilige Gott, wohne in der Höhe, im Heiligtum. Doch ich wohne auch bei denen, die traurig und bedrückt sind. Ich gebe ihnen neuen Mut und erfülle sie wieder mit Hoffnung.“¹
Diese Zusage Gottes ist atemberaubend. Sie ist so gewaltig groß, dass Kölner Dom, Ulmer Münster und Notre-Dame wie Miniaturen wirken. Der ewige, heilige Gott will in Herzen wohnen, die so unbedeutend, so klein, so unattraktiv sind wie das Äußere der First Peter Rock Baptist Church in Washington, D.C. Wer Gott einlädt, zu dem kommt er. Wo er wohnen darf, zieht er ein. Und mit ihm seine Heiligkeit, sein Friede, sein Segen. Da atmet die Seele auf, da spürt man den Pulsschlag Gottes in seinem Leben. Drehen Sie doch einfach das Schild in Ihrer Herzenstür um: „Open.“ (hpn)
Eine gesegnete Woche und Gottes Schutz und Segen wünscht Ihnen die Nord-Ost-Gemeinde
¹ Jesaja 57, Vers 15, Übersetzung Hoffnung für Alle
