|
Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. Die Bibel, Johannes-Evangelium, Kapitel 3, Vers 16 |
Biographische Orte sind Orte, die dem Leben eine ganz besondere Prägung geben. So stand es sinngemäß in einer Fachzeitschrift. Spontan musste ich an meine Hochzeit denken in unserer Kirche in der Wingertstrasse (siehe Bild). Ein Gastprediger sagte einmal, diese Kirche hätte den Charme einer Bahnhofshalle. Recht hat er. Trotzdem: für meine Frau und mich ist dies der Ort für ein sehr schönes, unser Leben prägendes Ereignis. - Für meinen Vater war ein biographischer Ort eine FLAK, eine Flugabwehrkanone, bei Hamburg. Am Ende des zweiten Weltkrieges hat er dort als jugendlicher Soldat Traumatisches erlebt. Sein ganzes Leben lang hat er davon erzählt. - Unterschiedliche Orte und Ereignisse, die ein Leben prägen.
Die Bibel ist ein Buch voll biographischer Orte. Sie erzählt Lebensgeschichten, in denen an bestimm-ten Orten etwas ganz Besonderes geschah. Meistens geht es dabei um eine Gottesbegegnung. Bei zwei Personen kann man das sehr schön sehen:
Da ist diese unbekannte Frau, die in der Mittagshitze an einen Brunnen geht, um Wasser zu holen. Sie ist in ihrer Kleinstadt zur Außenseiterin geworden. Mehrfach geschieden, lebt sie jetzt mit ihrem sechsten Mann zusammen. Gesprächsstoff für viele. Sie meidet den Kontakt zu anderen, und sie wird gemieden. Jesus bittet sie um einen Becher Wasser. Sie weist ihn nicht ab. Es kommt zu einem längeren Gespräch zwischen den beiden (Johannes-Evangelium, Kap. 4). Mehr und mehr begreift die Frau, dass sie nicht nur Durst hat, sondern dass ihre Seele wie ausgetrocknet ist. Doch das, was ihr Jesus sagt, gibt ihr Hoffnung, Lebenskraft. Am Ende des Gesprächs rennt sie in die Stadt und trommelt alle zusammen: „Ich glaube, ich habe den Messias gefunden!“. So wird auch für ihre Nachbarn dieser Brunnen zu einem biographischen Ort. Dort begegnen sie „dem Retter der Welt“, wie sie später sagen.
Einen völlig anderen biographischen Ort prägte den Theologen Nikodemus (Johannes-Evangelium, Kap. 3). Er war kein Außenseiter. Er war geachtet, gehörte zur klerikalen Oberschicht. Ihn treibt es nicht in der Mittagsglut außer Haus, sondern nachts. Da ist es kühler, und es müssen ja nicht alle sehen, dass er auf dem Weg zu diesem Jesus ist. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn man sich mit diesem Jesus beschäftigt. - Auch Nikodemus führt ein längeres Gespräch mit Jesus. Auch seine Seele hungert. Er will mehr wissen über Gott, über Lebensziele, über Lebenssinn.
Er kam nicht umsonst. Obwohl er vermutlich nicht das gehört hat, was er hören wollte. Was er aber von Jesus gehört hat, hat ihn verändert: „Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3, 16). Vielleicht hat Nikodemus auf dem Heimweg immer wieder diesen Satz in Herz und Kopf bewegt: Ja, Gott liebt diese ganze Welt so sehr, mich eingeschlossen, dass er seinen Sohn Jesus, sein Ein und Alles, für uns hingab. Gott liebt hingebungsvoll. Das heißt, keiner, der Jesus vertraut, geht vor die Hunde. Wer Gottes Sohn vertraut, für den beginnt schon heute ein Leben voller Ewigkeit. Ein Leben, in dem mich nichts und niemand mehr von Gott trennen kann.
Eine Nacht irgendwo in Jerusalem, biographischer Ort für Nikodemus. Ein Brunnen bei Sychar, biographischer Ort für eine Außenseiterin. Orte der Gottesbegegnung, die das Leben veränderten.
Übrigens: in unserer Gemeinde läuft derzeit eine Predigtreihe über dieses Wort aus Johannes 3, 16. Herzliche Einladung, dabei zu sein. Das könnte ein biographischer Meilenstein werden! (hpn)
Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen die Nord-Ost-Gemeinde.
