Das Vaterunser: Und vergib uns unsere Schuld...




Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Grundgebet aller Christen
Matthäus-Evangelium, Kap. 6, Verse 9 - 13



Die Schuldfrage wird täglich gestellt. Bei kleinen Alltagsdramen genauso wie bei den wirklich großen Katastrophen. Im Knast in Frankfurt-Preungesheim zum Beispiel sitzen 600 Personen hinter Gitter: Trickbetrüger und Terroristen. Oder ein 73jähriger mit Rollator, der seine Frau umbringen wollte. Aber auch "Weiße-Kragen-Kriminelle", Banker und Anwälte, die wegen Betrugs oder ähnlichem auf ihren Prozess warten¹.

Die Schuldfrage ist uralt. Schon Adam und Eva suchten einen Sündenbock. Nachdem Adam von Gott zur Verantwortung gezogen wurde, wies er Schuld weit von sich: ich bin unschuldig! Eva gab mir die verbotene Frucht zu essen.

Natürlich wollte auch Eva nicht schuld sein. Schließlich war es die Schlange, der sie auf den Leim gegangen war¹.

Es will kaum jemand Schuld haben. Kennen Sie den Satz: "Das machen doch alle so!" Oder "So schlimm ist das doch nicht!" Oder: "Ich bin halt so!"? Mit solchen Argumenten ziehen sich Menschen gerne aus der Verantwortung. Es gehört viel Rückgrat dazu, einen Fehler einzugestehen. Zu sagen: ja, das habe ich vermasselt, es tut mir leid. Ja, das ist mein Fehler, ich werde das wieder gutmachen.

Wenn ich bete: Gott, vergib mir meine Schuld, dann meine ich damit nicht nur mein Versagen oder einen Schaden, für den ich verantwortlich bin. Ich denke auch an unterlassene Liebe. Oder an unterlassene Hilfe. Vielleicht an seelische Verletzungen, die ich einem anderen zugefügt habe.

Mit meiner Bitte um Vergebung gestehe ich mir zu, nicht vollkommen zu sein. Ich weiß, dass auch ich Fehler mache und auch beim besten Willen nicht alles gelingt. Eben deshalb entlastet mich dieses Gebet. Und es macht mich barmherzig gegenüber denen, die mir wehtun.

Menschen, die von der gegenseitigen Vergebung leben, werden nicht bitter. Sie finden jeden Tag wieder den Weg zueinander - und zu Gott.

Gottes Segen wünscht Ihnen die Nord-Ost-Gemeinde
(hpn)

1 FNP vom 4. Feb. 2013, S. 14 "Ein Tag im Knast in Preungesheim"
2 Bibel, Genesis (1. Buch Mose) 3


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